"…und ich möchte, so gut ich es kann,
bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in deinem Herzen.
Und versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und
wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind."


- Rainer Maria Rilke

An die Eltern

Liebe Eltern,

Elternsein ruft viele schöne, aber auch unerwünschte Gefühle hervor. Eltern erleben oft die ganze Gefühlspalette von Stolz und Liebe bis hin zu tiefer Verunsicherung, Wut, Unverständnis oder Hilflosigkeit in Bezug auf ihr Kind. Die meisten Eltern geben ihr Bestes und sind dann enttäuscht, wenn das Kind nicht so funktioniert, wie erwünscht. Das Miteinander wird dann leider allzu oft zum Gegeneinander. Und manchmal scheint das eigene Kind„ in einer sehr fremden Sprache geschrieben“ zu sein.

Ich verstehe die Symptome eines Kindes als eine Einladung an seine Umwelt. Diese Einladung kann man etwa so verstehen: „Hier ist etwas nicht in Ordnung aber ich kann es nicht in Worte fassen. Wer nimmt meine Sorgen und Nöte wahr und hilft mir?“ Mit seinen Symptomen gibt das Kind seinen Eltern die Chance, ihre gut gemeinten Verhaltensmuster als untauglich zu erkennen und aus ihnen auszusteigen.

In der Elternberatung geht es nicht um Schuldzuweisungen -weder gegen das Kind noch gegen die Eltern-, sondern wir arbeiten an dem Fundament jeder Familie. Das Fundament heißt Beziehung. In Beziehung sein bedeutet, die eigenen Wünsche und Vorstellungen, wie das Kind zu sein hat, bei Seite zu legen und sich auf das Kind zu beziehen, seine Bedürfnisse und seine Welt kennenzulernen. Weiterhin geht es in der Elternberatung um „elterliche Präsenz“. Die Botschaften der elterlichen Präsenz heißen: ich bin als Mutter/Vater für dich da, ich interessiere mich für dich, ich werde nicht immer nachgeben, aber ich werde dich nicht aufgeben, ich kenne meine Grenzen und Überzeugungen und ich handele danach, ich bin aber auch bereit mein Handeln zu hinterfragen.

Eltern, die sich als unhinterfragbare Autoritäten sehen, geraten häufig in eskalierende Kämpfe mit ihrem Kind. Oder das Kind unterwirft sich der elterlichen Forderungen und leidet an Wut, Hilflosigkeit oder anderen Symptomen.

Eltern, die hilflos, resigniert und ohne deutliche Konturen sind, können ihren Kindern nicht die Orientierung und den Halt geben, die ein heranwachsender Mensch braucht. In dieser Situation werden die Kinder übermächtig.

Ich freue mich Eltern zu begleiten, die mit ihrem Kind neue Wege des Zusammenlebens erforschen wollen.


Ihre,

Lynn Friedland